Kalkmergel in Top-Weinlagen

prägt Geologie, Biologie und Weinqualität

Kalkmergel zählt im Weinbau zu den wichtigen Bodenarten bzw. Bodenanteilen. In früheren Erdzeitaltern entstanden geologische Schichten aus Kalk in der Regel biogen durch Sedimentation kalkhaltiger Schalen von unterschiedlichsten Meeresbewohnern. Zu einem deutlich geringeren Anteil konnte Calciumcarbonat allerdings auch aus der gelösten Form (chemisch-physikalisch) ausgefällt werden und sedimentieren. Die Voraussetzung eines deutlich geringeren CO2-Gehalts in der Erdatmosphäre als heute war damals gegeben. Im Laufe von weiteren Millionen von Jahren unterliegen geologische Schichten vor allem durch Kompression, plattentektonische Vorgänge, andere Bewegungen und Transporteinflüsse und weiteren Faktoren mehr oder weniger starken Veränderungen. Wenn geologische Schichten schließlich auch Wind, Wetter und vor allem Temperaturwechseln und Wasser ausgesetzt sind, schreitet die Erosion schneller voran, d.h. die Korngrößen reduzieren sich mit der Zeit innerhalb von langen Zeiträumen. Im Kalkmergel ist der Anteil von Kalkstein noch höher als die Anteile von Lehm und Ton.

Im Wein kann sich ein von Kalkmergel geprägter Boden durch eine frische Mineralität und aromatische Tiefe auswirken – sofern der Winzer alles richtig macht. Der Königsbacher Idig und der Gimmeldinger Biengarten, zwei unserer Top-Lagen der Pfalz, weisen neben Buntsandstein einen hohen Anteil an diesem Kalkmergel aus dem späten Tertiär auf – das ist das vorletzte von 12 Erdzeitaltern. Nicht umsonst zählen unsere Rieslinge aus beiden Lagen mittlerweile regelmäßig zu den besten der ganzen Pfalz. Spaziergänger und Naturliebhaber kennen die aus Kalkmergel bestehende Böschungskante im Biengarten an der untersten Weinterrasse unterhalb vom König-Ludwig-Pavillon. Eine Info-Tafel und eine Bank laden zum Pausieren und Informieren ein. Eine kleine Bereicherung für alle, die gern mit offenen Augen durchs Leben gehen. Nicht nur wegen des interessanten Einblicks in die Geologie dieser Gegend, sondern weil es gleichzeitig ein Hot Spot für Artenreichtum unter Solitärbienen darstellt. In dem steilen Mosaik aus steinigen, sandigen, lehmigen und tonhaltigen Bereichen legen jedes Jahr Hunderte von Solitärbienen und -wespen (in Deutschland gibt es weit über 500 Arten) ihre Röhren an und reproduzieren sich. Etwas größere Hohlräume werden von Mauereidechsen und natürlich Mäusen als Verstecke genutzt. Ein paar Nischen sind tief genug, um dort frostsicher Winterschlaf zu halten. Laut Literatur werden Eidechsen frühestens Anfang März wieder aktiv. Der 15. Januar, als die Fotos entstanden, war einer von zwei für den Winter außergewöhnlich sonnenwarmen Wintertagen. Einige Eidechsen unterbrachen dafür ihren Winterschlaf und wärmten sich in der Sonne. Die Pfalz macht’s möglich! ☀️  Das ist gar nicht so ungewöhnlich – viele Tierarten können bzw. müssen, wenn es zu mild bzw. warm wird, zeitweise ihre Winterruhe unterbrechen: viele Insekten, aber zum Beispiel auch Fledermäuse! Im Biengarten wagten sich tatsächlich auch zwei Solitärbienen heraus, kehrten aber schnell wieder zurück und verkrochen sich schließlich wieder. Auf den Rebflächen nebenan blühen bereits drei ziemlich frostsichere Kräuter.

Warmes Frühlings-Intermezzo: zwei milde, sonnige Tage Mitte Januar 2026 (15. / 16. Januar).

Nach den zwei milden Wintertagen kehrt der Winter am 17. Januar zurück. Die Eidechsen haben sich rechtzeitig wieder in die Winterruhe zurückgezogen und ihren Stoffwechsel heruntergefahren. Nicht alle können das …

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